C.H. Beck Wissen, München 2009, ISBN 978-3-406-59110-5, 128 S., 32 s/w- und 18 Farbabbildungen, Broschur, Format 18 x 11,7 cm, € 7,90 (D)/SRF 14,90/€ 8,20 (A)
Für den ehemaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle Uwe M. Schneede fächert sich die als ‚Klassische Moderne' bezeichnete zuweilen irritierend vielgestaltige Epoche von 1880 - 1960 zwischen den Polen der reinen, ungegenständlichen Form und der überscharfen Realitätsnähe als Dialektik der aufeinander folgenden oder einander widersprechenden Bewegungen auf. „Kaum eine künstlerische Behauptung blieb ... ohne künstlerischen Widerspruch... So setzte sich der farbkräftige Expressionismus von der Lichtmalerei des Impressionismus ab, der puristische Malewitsch vom anwendungsorientierten Konstruktivismus seiner russischen Kollegen oder der ideenbewusste Surrealismus von der Ziellosigkeit Dadas. Kaum hatten ‚de Stijl' und Bauhaus den Rationalismus zur Grundlage ihrer Gestaltungen gemacht, traten die Surrealisten vehement gegen alle Einengungen durch jeglichen Rationalismus an. Die Neue Sachlichkeit wollte den Realitätsverlust der Abstraktion überwinden, der Abstrakte Expressionismus wiederum den als kleinlich empfundenen amerikanischen Sozialen Realismus. Schließlich verwarf die Pop Art mit ihrer Vorliebe für die Straße und das Triviale das Erhabene des Abstrakten Expressionismus. Eins ging -oft lautstark polemisch - aus dem anderen hervor. Der Künstler des Jahrhunderts, Pablo Picasso, gab das Stichwort: ‚Auch ich war gegen alles'" (Uwe M. Schneede). Verhandelt werden unter anderem die großen Erneuerer Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Edvard Munch und Paul Cézanne (1880 - 1900), die Epoche der Avantgarde (1900 - 1920) und unter dem Stichwort ‚Wirklichkeit im Bild' Dix und der Verismus, Hopper und sein künstlerisches Umfeld und das Neue Sehen und die Fotografie (1920 - 1940). Im Rückblick auf die Moderne „kam zuerst die neue Kunst, dann nach und nach ihr Betrieb" (Uwe M. Schneede), also die Ausstellungen, die Händler, die Künstler als marktbewusste Produzenten, der Kunstbetrieb und die Kulturindustrie.
(ham)